Botanischer Garten Halle




Victoria cruziana - Victoria-Seerose
Nymphaeaceae - Seerosengewächse
Heimat: N-Argentinien, Paraguay, Bolivien.
Die Victoria-Seerose gehört zu den größten Wasserpflanzen der Süßwasserseen der Welt. In ihrer Heimat kommt die Art in stillen Buchten der großen und langsam fließenden südamerikanischen Flüsse vor. Hohe Temperaturen und ein reichliches Nährstoffangebot fördern die optimale Entwicklung der Pflanze.
Die Victoria mit Michel, 1/2 Jahr alt, 8 kg schwer.
Die großen Blüten öffnen sich duftend in der ersten Nacht und schließen sich am nächsten Morgen. In der zweiten Nacht öffnet sich die Blüte wieder, duftet aber nicht mehr. Dafür hat sich der Farbton von weißlich nach rosa verschoben. Danach tauchen die Blüten ab und die Früchte reifen unter der Wasseroberfläche. Die Samen wurden früher gesammelt und das daraus gewonnene Mehl zum Backen verwendet.
In den großen Blüten wird Wärme produziert. Messung mit einem Laborthermometer.
Im Inneren der Blüte ist es mindestens 29,5 C warm. Die süßlich-muffigen Duftstoffe verdunsten stärker als ohne zusätzliche Heizung.
 
Die Wärme wird v.a. an der Basis der Kronblätter entwickelt. Verantwortlich für die Wärmeproduktion ist ein eigenartiger Stoffwechselweg in den Mitochondrien, bei dem während der Atmung kein ATP ('Energiewährung' der Zelle) gebildet wird, sondern die Energie als Wärme freigesetzt wird. Mitochondrien sind kleine semiautonome Organellen der Zelle. Der Prozess findet unter Verbrauch von Sauerstoff und Bildung von Kohlendioxid statt.
Die Außentemperatur beträgt nur 24,5 C.
Die beiden Victoria-Arten sind einjährige oder kurzlebig ausdauernde Pflanzen. Die etwa 8-10 mm großen Samen bleiben im feuchten Zustand mehrere Jahre lebensfähig und keimen unregelmäßig. Die Pflanzen bilden somit eine Samenbank am Grunde der Gewässer aus. Trocknen die Samen aus, stirbt der Embryo ab. Nach dem Keimen verläuft die Entwicklung sehr schnell ab, so dass nach wenigen Monaten die ersten Blüten erscheinen.
Zu sehen im Victoria-Haus. (15.07.2003, M.H.H.)


Fotos und Texte: (c) Matthias H. Hoffmann, 2003-2005
Matthias H. Hoffmann