Privatdozent Dr. Wolf-Rüdiger GroßeDieser Anlass, die Vollendung des 65. Lebensjahres, ist uns sehr willkommen, um Dr. Große ganz herzlich zu gratulieren und alles Gute zu wünschen sowie „unserem Wolf“ herzlich zu danken, nicht nur für sein vielseitiges wissenschaftliches Schaffen, sondern vor allem auch für sein beispielhaftes Wirken für die „Spezielle Zoologie“ an der Halleschen Universität. Gern denken wir zurück an die über viele Jahre währende gute Zusammenarbeit, anregende Diskussionen, erfrischende Erzählungen, manche aufmunternde oder tröstende Worte sowie spannende und erlebnisreiche Exkursionen, nicht zuletzt auch an die zahlreichen Aktionen zur Museumsnacht oder zur „Sommerakademie der Zoologischen Sammlung“.
Immer konnten wir, seine Kollegen, seine Studenten, aber auch die hallesche Bevölkerung, vom enormen Wissen profitieren und wurden von seinem Enthusiasmus, seiner Naturliebe angesteckt und angeregt, zu schauen, zu untersuchen und selbst tätig zu werden.
Wolf-Rüdiger Große wurde am 3. Februar 1947 in Leipzig geboren. Aufgrund seiner guten schulischen Leistungen erhielt er die Möglichkeit, die Erweiterte Leibnitzoberschule in Leipzig zu besuchen, wo er 1965 sein Abitur ablegte. Parallel dazu schloss er im gleichen Jahr die Facharbeiterausbildung zum Betriebsschlosser ab.
Seit frühester Jugend gehörte seine Liebe und Aufmerksamkeit den Amphibien und Reptilien. Er war ab 1956 Mitglied der Jugendgruppe von „Aqua-West Leipzig“, aus der später die Fachgruppe für Terrarienkunde und Feldherpetologie „Emil Adolph Roßmäßler“ hervorging, der er seit deren Gründung angehörte.
Folgerichtig begann er, nach erfolgreicher Aufnahmeprüfung, ein Biologiestudium in Halle. Nach dem Grundstudium von 1965 bis 1967 und dem Fachstudium in der Zoologie, legte er 1969 die Staatsprüfung im Fach Biologie ab.
Im gleichen Jahr heiratete er seine Frau Gisela. Sohn Hubert wurde 1972 und Sohn Martin 1976 geboren.
1969 erhielt er durch die Förderung von Herrn Prof. Dr. J. O. Hüsing, dem damaligen Institutsleiter, die Möglichkeit, ein Forschungsstudium zu absolvieren, welches er mit der erfolgreichen Verteidigung seiner Dissertation im Oktober 1973 beendete. Das Thema seiner Promotion waren biorhythmische Untersuchungen zur Stoffwechselphysiologie des 3. Larvenstadiums der Schmeißfliege Calliphora erythrocephala MEIG. (Diptera, Calliphoridae). Die Studien zur Histologie, Physiologie und Entwicklung von Dipteren-Larven sollten später zu einem seiner Forschungsschwerpunkte werden.
Nach seinem Grundwehrdienst von 1973 bis 1975 kehrte er als Assistent 1976 an die Universität Halle, ans Institut für Zoologie zurück.
Nun endlich konnte er seine wissenschaftlichen Arbeiten neben umfangreicher Lehrtätigkeit vorantreiben. Im Jahre 1984 verteidigte er erfolgreich seine Promotion B mit dem Thema „Oekophysiologische Untersuchungen zur biologischen Periodik von Calliphora vicina R. D.“, und erwarb 1986 die facultas docendi. Im gleichen Jahr erhielt Wolf-Rüdiger Große eine unbefristete Stelle als Lektor für Ökophysiologie am Zoologischen Institut und wechselte noch im gleichen Jahr in das Fachgebiet „Spezielle Zoologie“, wo er noch heute als Hochschullehrer tätig ist.
Seine Forschungsarbeiten sind genau so vielseitig wie seine angebotenen Lehrveranstaltungen und Exkursionen. Stellvertretend sollen hier einige Beispiele genannt werden:
Vor 1990 stellten die Grundlagenforschungen zur Autökologie, Ökophysiologie, Morphologie und Chronobiologie von Dipteren Forschungsschwerpunkte dar. In den Folgejahren, angeregt durch seinen akademischen Lehrer, Herrn Doz. Dr. J. Klapperstück, arbeitete er an Grundlagenuntersuchungen zur Ökomorphologie der einheimischen Amphibien. Dabei standen Fragen der Vermehrung und Entwicklung ebenso wie zur Morphologie und Systematik im Vordergrund.
In den 80er Jahren konnte er u. a. drei Studienreisen in die Mongolei unternehmen.
Das Eintreten von Wolf-Rüdiger Große für den Natur- und Umweltschutz in Ostdeutschland führte nach 1985 teilweise zur Isolierung seiner Person. Diesbezügliche Forschungen waren nun nur noch auf privater Basis möglich. Erst nach 1989 konnte er seine Grundlagenforschungen im Bereich Natur- und Umweltschutz wieder aufnehmen und einige feldökologische Forschungen anfügen, wie Erarbeitung von Artenhilfsprogrammen zum Schutz der vom Aussterben bedrohten Amphibienarten, Schutz und Management dynamischer Lebensräume am Beispiel von Amphibienarten, Einfluss räumlicher Isolation auf Populationsstruktur und Habitatnutzung, Biologie und Ökologie des Kreuzkröten-Artenschutzes in der Kulturlandschaft oder Grundlagenforschung zur Anatomie und Feinstruktur ausgewählter Organsysteme von Amphibien und zu Normtafeln der Entwicklung von Frosch- und Schwanzlurchen.
Inzwischen sind über 300 wissenschaftliche Arbeiten, populärwissenschaftliche Beiträge, Bücher und Buchbesprechungen von ihm erschienen. Seine Schüler setzen vielerorts die Arbeiten zu Amphibien und Reptilien fort. Dabei werden klassische morphologische und ökologische Themen genauso bearbeitet wie modernste molekulargenetische Untersuchungen. Der Praxisbezug zur einheimischen Herpetofauna ging jedoch nie verloren.
Im Bereich der Lehre galt sein ganzer Einsatz der Vervollkommnung des Grund- und Hauptstudiums im Fach „Spezielle Zoologie“. Hier arbeitete er an der grundlegenden Konzipierung dieses Faches mit. Zu seinen ständigen Lehrveranstaltungen gehören die Vorlesungen in „Spezieller Zoologie“, in der „Vergleichenden Anatomie und Histologie der Tiere“, Seminare zu den Vorlesungen, Großpraktika zur „Histologie“, zur „Vergleichenden Histologie“, zur „Vergleichenden experimentellen Morphologie und Ökologie der Amphibien“ oder ein Projektpraktikum „Amphibienschutz-Krötenzaunaktion“.
Besondere Erlebnisse für die Studenten stellten seine Exkursionen dar, wie die wildbiologische und amphibienökologische Exkursion ins Selketal, die meersbiologische Exkursion nach Rerik, später Sylt, oder die Naturschutz-Exkursionen in die Elster-Luppe-Aue.
Sein sehr frühes Engagement für den Natur- und Umweltschutz spiegelt sich auch in zahlreichen Mitgliedschaften wieder. So gründete er mit anderen Freunden 1967 die AG Amphibien (bestand bis zum Jahre 2005). Er gehört zu den Initiatoren der feldherpetologischen Kartierung in der ehemaligen DDR und ist 1972 Mitbegründer der IG Feldherpetologie des Bezirkes Leipzig (später dann ZFA Feldherpetologie in der Gesellschaft für Natur und Umwelt der DDR). 1978, nach seinem Umzug nach Halle/Saale, wurde er Mitglied des Hallenser Aquarien- und Terrarienvereins „Vivarium 1906 Emil Adolph Roßmäßler“, der ebenfalls im Kulturbund der Stadt Halle organisiert war. Später stand er als Vorsitzender der Kreiskommission Vivaristik im Kulturbund der Stadt Halle bis zu ihrer Auflösung 1990 vor. Danach war er 1. Vorsitzender des Kulturringes Halle, der anfangs alle Hallenser Vereine vereinigte. Im Rahmen des Kulturringes leitete er das „Europaforum“, ein Institut der politischen Bildung, das mittlerweile auf Aktivitäten in Europa, Amerika und Kleinasien verweisen kann. Wolf-Rüdiger Große war Mitglied der Biologischen Gesellschaft der DDR, 1988 Mitbegründer und Stellvertreter des Vorsitzenden der eigenständigen Sektion Herpetologie der Biologischen Gesellschaft, die nur zwei Jahre bestand. Er ist Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde e. V seit 1980, ermöglicht über eine westdeutsche Bürgschaft, nach der Wende wurde er ein eigenständiges Mitglied und seit 2003 Leiter der AG Urodela und Schriftleiter von deren Zeitschrift „amphibia“.
Die Bilanz der wissenschaftlichen Arbeit zwischen 1969 und 2011 weist 207 wissenschaftliche Veröffentlichungen in fast allen bedeutenden herpetologischen Zeitschriften aus. Dazu kommen 17 Bücher und Buchbeiträge, 80 Übersichten und Rezensionen und 36 wissenschaftliche Stellungnahmen und naturschutzfachliche Gutachten. Die Öffentlichkeitsarbeit wird darüber hinaus durch jährlich erscheinende Beiträge in Magazinen, Zeitungen und populärwissenschaftlichen Darstellungen ergänzt.
Ausgewählte Publikationen von Wolf-Rüdiger Große