Forschungsgruppe Herpetologie und Biodiversität

der Arbeitsgruppe Spezielle Zoologie und Zoologische Sammlungen


Forschungsschwerpunkte

Infos des Naturschutzbundes Deutschlands (NABU): www.amphibienschutz.de

1. Themenschwerpunkt: Biologische Diversität von Amphibien- und Reptilienpopulationen

2. Themenschwerpunkt: Langzeitstudien und life history parameter von Amphibienpopulationen 

3. Themenschwerpunkt: Systematik und Prozesse der Artbildung bei Amphibien und Reptilien



1. Themenschwerpunkt: Biologische Diversität von Amphibien- und Reptilienpopulationen
Themenleiter/Projektleiter: Privatdozent Dr. Wolf-Rüdiger Grosse

In Zusammenwirken mit anderen biologischen Wissenschaftszweigen wie Ökologie, Genetik und Biochemie erlebt die Diversitätsforschung in der Herpetologie (ehemals nur im Sinne von Artenvielfalt und Artenlisten verstanden) einen ungeahnten Aufschwung. Ziel der Untersuchungen ist die Erfassung der Vielfalt biologischer Erscheinungsformen des Lebens von Amphibien und Reptilien (life history) und den Erhalt evolvierender Populationen. Dabei stehen in der Hallenser Arbeitsgruppe Aspekte der morphologischen, ökologischen und genetischen Diversität im Vordergrund. Finanzierung: Mischfinanzierung, Laufzeit: fortlaufend


Projekt: Biodiversitätsbildung unter Einsatz von Simulationsmodellen am Beispiel gefährdeter Amphibienarten

Simulation der Natur für Schulen (SINAS) - vom Computer zur Natur – Umweltbildung mit Simulationsmodellen

als Kooperationspartner des Projektes "Vom Computer zur Natur-Umweltbildung mit Simulationsmodellen", in Regie des Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung GmbH (UfZ Leipzig-Halle) gefördert durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt

Die Bedrohung der Biologischen Vielfalt soll in Form von interaktiver Internetsoftware am Beispiel bedrohter Amphibienarten dargestellt werden. Aufgrund ihres evolutiven Entwicklungsstandes, ihrer speziellen Raumansprüche und ihrer Lebensweise stellen die Amphibien heute die bedrohteste Wirbeltierklasse überhaupt dar (ambphibian declining). Im Projekt werden die Erdkröten (Bufo bufo) und der Laubfrosch (Hyla arborea) bearbeitet. Neueste Forschungsergebnisse werden mit Hilfe von Simulationsmodellen so in das Programm integriert, dass am Computer der Einfluss der Umwelt auf Individuen und ganze Populationen nachvollzogen werden kann. Schwerpunkte bilden dabei die Entwicklung, die Ausbreitung und die Gefährdung durch den Menschen. In Kooperation mit Umweltbildungszentren  werden für die genanten Arten Schutzmaßnahmen angeboten (www.biologie.uni-halle.de/zool/coll).

Das Programm soll Schüler der 8. bis 12. Klasse ansprechen und hält darüber hinaus spezielle Anregungen für leistungsstarke Schüler der Oberstufe bereit (www.sinas.ufz.de). Es beinhaltet die Kapitel:

In Zusammenarbeit mit dem Umweltbildungszentren werden Maßnahmen zum Schutz von Laubfröschen und Erdkröten (aber auch Wildbienen und Ameisenbläulingen), angeboten. Schwerpunkte sind unter anderem Beobachtungen und Auswertungen zum Paarungsverhalten, der Entwicklung von Amphibien oder die Pflege von Feuchtbiotopen. Die daraus gewonnenen Erfahrungen sind in die Software-Module eingegangen. Interaktive Simulationen veranschaulichen den Einfluss von Umweltbedingungen und damit auch von Stör- bzw. Schutzmaßnahmen auf die Tierpopulationen, wobei auch die Reaktionen und Verhaltensmuster der einzelnen Individuen erklärt werden. Entsprechend den Rahmenrichtlinien der Bundesländern für die Lerninhalte „Biologische Vielfalt“, „Naturschutz“, „Populationsdynamik“ und „Modellierung“ kann das Programm in den fächerübergreifenden Unterricht (Biologie, Mathematik, Informatik, Ethik) eingebunden und für Spezialkurse oder Projekttage genutzt werden.

Projektbearbeiter: Dr. Karin Ulbrich, Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung GmbH
Kooperationsprojekt Amphibien: PD Dr. Wolf-Rüdiger Grosse, Janina Grunert
Thementyp: Drittmittelprojekt Mittelgeber Helmholtz Gemeinschaft,
Projektlaufzeit: 01.01.2006 - 15.03.2008,
Schlagwörter: Biodiversität, Simulationsmodell, Umweltbildung, fächerübergreifender Unterricht, Gefährdung von Amphibien, Amphibienschutz


Projekt: Vergleichende Untersuchungen zur Herpetofauna der  Städte Halle (Sachsen-Anhalt) und Leipzig (Sachsen): Diversität, historische Entwicklung und Gefährdung.

Teilprojekt davon: Molekulargenetik der Zauneidechse (Lacerta agilis) in Halle in Vorbereitung

Projektleiter: Privatdozent Dr. Wolf-Rüdiger Grosse

Finanzierung: Mischfinanzierung, Laufzeit: fortlaufend



Projekt: Nutzung der Amphibien als Indikator von Umweltbelastungen am Beispiel der Herpetofauna der Städte Leipzig (Sachsen/Deutschland) und Petersburg (Russland).

In the last two decades global declines of amphibian populations and observations of morphological deviations created concerns about environmental health (Pounds 2001; Halliday 1998). Because of their external ontogenetic development amphibians are sensitive indicators of global environmental changes and changes in local conditions on human-transformed territories. The tool of amphibian anomalies as indicators of environmental conditions in urbanized areas has been developed and applied successfully by Vershinin (2002) for the Russian city of Yekaterinburg. The main objective of the current project was to test the applicability of amphibians as indicators of environmental quality for the city of Leipzig and its vicinity. In this report we present the data collected in Leipzig and its vicinity (Germany) and compare the results to the situation in the big industrial city of Yekaterinburg (Russia, Urals).

Kooperationsprojekt mit  dem Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung GmbH und Institut of Plant and Animal Ecology Ekaterinburg, Russia
Projektleiter: Privatdozent Dr. Wolf-Rüdiger Grosse (Halle),  Privatdozent Dr. Klaus Henle (Leipzig), Dr. Vladimir Vershinin (St. Petersburg)
Finanzierung: Mischfinanzierung, Laufzeit: 2007-2008


Projekt (Arbeitstitel): Zum Beutefangverhalten der Fledermaus (Trachops cirrhosus) auf Barro Colorado Island (Panama) – akustische und chemische Unterscheidung giftiger und ungiftiger Froschlurche.

Zur Beute der Fledermaus (Trachops cirrhosus) gehören vorwiegend nachtaktive Frösche. Zur Unterscheidung giftiger und ungiftiger Beute dienen ihr Froschrufe, nach denen sie unterscheiden kann. Zum Erlernen der Unterscheidung zwischen genießbar und giftig wird ein chemosensorischer Mechanismus vermutet. Diese Annahmen sollen Beobachtungen und Aufzeichnungen jagender Fledermäuse erhärten oder widerlegen. Dabei wird in Freilandversuchen die Wirkung der Amphibienrufe getestet.

Durchführung: Tana Schnelle,
Kooperation: Universität Ulm, Dep. Experimental. Ecology & Smithsonian Tropical Research Institute Balboa, Panama


Projekt (in Vorbereitung):Molekulargenetische Untersuchungen zum Vorkommen der Zauneidechse (Lacerta agilis) nordwestlich von Halle: Biometrie, Populationsstruktur, Verwandtschaftsverhältnisse und Isolation. Durchführung: Maxim Ludwig, N.N.  


Projekt (in Vorbereitung): Habitatnutzung und Vergesellschaftung von Libellenarten (Odonata) im Okavango-Delta (Botswana) unter besonderer Berücksichtigung der Amphibienfauna. Durchführung: Jens Kipping, Kooperationspartner: Hellriegel Institut e.V. und Hochschule Anhalt (FH)


Projekt (in Vorbereitung): Populationsdifferenzierung nach nonmetrischen Schädelmerkmalen vom Reh (Capreolus capreolus).

Durchführung: Mst. Atefeh Rahbar


Abgeschlossenes Projekt: Untersuchungen zur Gefährdung und zum Schutz der Waldeidechse (Zootoca vivipara J.) im Industrie-Agrar-Raum Halle/S.,

Durchführung: Dr. Sylvia Hofmann 


Abgeschlossenes Projekt: Untersuchungen zur Überlebensstrategie der Kammmolchpopulationen in der Kulturlandschaft Sachsen-Anhalts - Gefährdung und Schutz.

Durchführung: Dr. Suse Meyer



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2. Themenschwerpunkt: Langzeitstudien und life history parameter von Amphibienpopulationen 


Projekt: Grundlagen einer Langzeitstudie zur ökologischen Adaptation der Kreuzkröte (Bufo calamita) an anthropogene Pionier- und Trockenstandorte

Projektleiter: Privatdozent Dr. Wolf-Rüdiger Grosse

Kurzbeschreibung: Die Kreuzkröte (Bufo calamita) ist im Mitteldeutschen Raum fast ausschließlich auf alluviale Pionierstandorte angewiesen, die jedoch durch Flusskorrekturen und andere anthropogene Einflüsse stark geschädigt wurden. Naturnahe Habitate stellen auch im Raum Halle die seltene Ausnahme dar, vielmehr sind Sukzessionen und Rekultivierungen ernsthafte Gefährdungsfaktoren. Ziel der Untersuchungen sind die Adaptationsstrategien dieser Art, Habitatansprüche und Flächenbedarf und die modellhafte Abschätzung der Extinktionsrisiken der Populationen. Daraus können Schlussfolgerungen für den Naturschutzvollzug abgeleitet und wissenschaftlich begründet werden.

Partner: Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung GmbH (UfZ Leipzig-Halle), RANA GmbH Halle
Finanzierung: Haushalt, zeitweilig Projekte (1992-96 Bundesminst. f. Forschung & Technol., 1998-2001 Kultusminst. Sa-Anh. (FKZ: 2198 A/0085 G).
Laufzeit: fortlaufend


Projekt: Ökologische Adaptation des Laubfrosches (Hyla arborea) an die natürliche Dynamik von Auenwaldstandorten.

Projektleiter: Privatdozent Dr. Wolf-Rüdiger Grosse

Kurzbeschreibung: Da Deutschland einen nicht unerheblichen Teil des europäischen Verbreitungsgebietes des Laubfrosches einnimmt, besteht eine Verantwortung für den Schutz der Art. Lokalen bis flächenhaften Bestandsrückgängen ist zum Erhalt des gesamteuropäischen Areals entgegenzuwirken. In den Auen und Niederungslandschaften Mittel- und Norddeutschlands war die Art ehemals flächendeckend vertreten. Für den Laubfrosch wurden verschiedentlich Metapopulationsmodelle aufgestellt. Langjährig individuenstarke Populationen mit regelmäßiger Fortpflanzung bilden dabei den Ausgangspunkt für die Bildung kleiner Ableger-Populationen. Als bestandsbestimmende Faktoren gelten vor allem die vermutlich hohe Mortalitätsrate der Adulti, der Isolationsgrad der Populationen und die Struktur der Laichgewässer (Vegetationsreichtum, Temperatur, pH-Wert etc.).

Partner: Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung GmbH (UfZ Leipzig-Halle),
Naturschutzinstitut Wurzen des NABU Sachsen,
Landesamt für Umwelt und Naturschutz Sachsen-Anhalt
Finanzierung: Haushalt, zeitweilig Projekte
Laufzeit: fortlaufend 


Projekt: Variabilität und ökologische Adaptation des Wanderverhaltens von Amphibien in der Saaleaue bei Halle.

Projektleiter: Privatdozent Dr. Wolf-Rüdiger Grosse, N.N.
Laufzeit: fortlaufend 

Modellprojekt in der Lehre an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Fachausbildung Lehramt Biologie und Masterstudiengang Biologie, Kooperation mit der Stadt Halle (Saale)


Projekt: Verbreitung von Amphibien und Reptilien in naturnahen Räumen der Insel Sylt (NP Nordfriesisches Wattenmeer/Schleswig –Holstein) und am Ostufer der Müritz (Müritz-NP/Mecklenburg-Vorpommern)

Projektleiter:  Privatdozent Dr. Wolf-Rüdiger Grosse, N.N.
Laufzeit: fortlaufend 
Kooperationsprojekt Landesamt für Natur und Umwelt des Landes Schleswig-Holstein und Landesamt für Natur und Umwelt des Landes Mecklenburg-Vorpommern
Laufzeit: fortlaufend 


Projekt: Biodiversity Conservation in fragmented landscapes at the Atlantic Plateau of Sao Paulo.-  mit dem Teilthema: Auswirkung von Habitatfragmentierung auf Populationen ausgewählter Amphibienarten der Mata Atlantica im Raum Sao Paulo/Brasilien.

Kurzbeschreibung: Das Projekt Diversitätsschutz in fragmentierten Landschaften ist ein interdisziplinäres Kooperationsprojekt zwischen Deutschland und Brasilien. Ziel des durch das BMBF geförderten Projektes ist es, Prozesse der Fragmentierung zu untersuchen und deren Auswirkungen auf die Biodiversität aufzuklären. Die Feldarbeiten finden im „Reserva Florestal do Morro Grand“ und in angrenzenden Waldfragmenten des Municipio de Cotia an bodenbewohnenden Amphibienarten statt, die jeweils dem Kreis der Generalisten bzw, Spezialisten zugeordnet werden können. Als Konsequenz wird ein Naturschutzkonzept unter Einbeziehung der lokalen Besiedlung und Landnutzung entwickelt. Informationen unter: http://www.ufz.de, hier Projekt Mata Atlantica oder henning.steinicke@ufz.de

Hier können Sie das Kartenmaterial zu diesem Projekt herunterladen


Kooperationspartner: Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung GmbH (UfZ Leipzig-Halle) (Mata Atlantica),
Durchführung: Dipl. Biol. H. Steinicke
Laufzeit: 2004-2008


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3. Themenschwerpunkt: Systematik und Prozesse der Artbildung bei Amphibien und Reptilien


Projekt: Untersuchungen zur Höhenadaptation von Amphibien- und Reptilienpopulationen im Nationalpark Hochharz.


Durchführung:  derzeit unterbrochen     

Kurzbeschreibung: Das Brockenmassiv mit dem Nationalpark Hochharz weist für den gesamten Nord- und Mitteldeutschen Raum einmalige extreme Klimate auf. Infolgedessen sind die hier heimischen Tier- und Pflanzenarten extremen Lebensbedingungen unterworfen. Es handelt sich dabei um die Waldeidechse (Zootoca vivipara), den Bergmolch (Triturus alpestris) und den Grasfrosch (Rana temporaria). Die Waldeidechse weist für sie typische Besonderheiten in ihrer Fortpflanzungsstrategie auf. Entgegen dem Fortpflanzungsmechanismus der meisten Reptilien ist es ihr möglich, ihre Eier je nach Klima im Körper zu zeitigen. Diese Ovoviviparie bzw. Viviparie ermöglicht es ihr, als einziges Reptil in extrem kühle Klimate vorzudringen. Der Grasfrosch gehört neben der Waldeidechse zu den Arten der Herpetofauna, die die höchsten Höhenzonen besiedeln. Die Resistenz gegen niedrige Temperaturen spiegelt sich auch in seinen Aktivitäts- und Reproduktionszeiträumen wider.


Abgeschlossenes Projekt: Polyploidie und Artbildung im asiatischen Bufo viridis-Komplex.

Projektleiter: Dr. Matthias Stöck


Abgeschlossenes Kooperationsprojekt: Phylogeographische Untersuchungen zur Laubfroschgruppe Europas und Kleinasiens

Kooperationspartner: ZFMK Bonn, Dr. C. Klütsch


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Joachim Händel
26/XI/2007